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Foto: Penny Mathews / stock.xchng

Neue Belege: So beeinflusst die Industrie Behördenbewertungen

30.03.2017

Die europäische Chemikalien-Agentur ECHA hat ihre umstrittene Bewertung des Herbizids Glyphosat vorab von einem Lobbyverband der Hersteller kommentieren lassen. Das berichteten die Süddeutsche Zeitung und das ARD-Magazin Fakt. Dass dieser Vorgang kein Einzelfall ist, belegt der Report „Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft“. Er stellt dar, wie die Glyphosathersteller, vor allem Monsanto, seit Jahren versuchen, gezielt Behördenentscheidungen zu beeinflussen – insbesondere durch gekaufte Studien.

Im Falle der ECHA-Bewertung wurde die industrielle Einflußnahme bekannt, weil der Toxikologe Peter Clausing für das Pestizid Aktions-Netzwerk als Beobachter an der entscheidenden Sitzung des ECHA-Ausschusses für Risikobewertung teilnahm. „Ich hab meinen Augen nicht getraut, als ich sah, dass die Industrie Kommentare zu dem Entwurf des Bewertungsberichts eingestellt hat“, sagte er dem ARD-Magazin Fakt. Denn das Prozedere der ECHA sieht vor, dass die Öffentlichkeit und interessierte Verbände zu Beginn eines Bewertungsverfahrens Stellungnahmen abgeben können, die dann auch veröffentlicht werden. Diese Möglichkeit nutzten mehrere Umweltorganisationen. Doch die öffentliche Konsultation endete im Falle der Glyphosatbewertung bereits im Juli 2016, bevor der Ausschuss seine Bewertung begann. Die Möglichkeit, den Entwurf des Bewertungsberichts zu kommentieren hatte nur der Industrieverband Glyphosat Task Force. Entgegen ihren Regeln veröffentlichte die ECHA den Kommentar des Lobbyverbandes nicht. „Die Industrie hat versucht, auf die Bewertung der Behörde Einfluss zu nehmen“, kommentierte Peter Clausing den Vorgang in der Süddeutschen Zeitung. [+] mehr...

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)

EU-Kommission billigt Fusion von Dow und DuPont

28.03.2017

Die Europäische Kommission hat den US-amerikanischen Chemiekonzernen Dow und DuPont erlaubt sich zusammenzuschließen. Voraussetzung sei, dass DuPont große Teile seiner Pestizidsparte verkaufe, teilte die EU-Kommission gestern mit. Zugleich forderten fast 200 gemeinnützige Organisationen die Kommission auf, die Großfusionen in der Agrarchemie zu stoppen.

Nach Ansicht von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sichert der aktuelle Beschluss den Wettbewerb auf dem Pestizidmarkt. Indem DuPont sich verpflichte, fast seine gesamte globale Forschungs- und Entwicklungssparte zu veräußern, könne der Käufer auch bei den Produktinnovationen zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber für den neuen Großkonzern werden, so die EU-Kommission. Dow muss sich von zwei Fabriken für petrochemische Produkte trennen. [+] mehr...

Mais Syngenta
In den USA bauen viele Farmer Gentechnik-Mais an (Foto: Courtesy of Syngenta)

Bald neuer Gentech-Mais auf europäischen Äckern?

27.03.2017

Es wird immer wahrscheinlicher, dass nach fast 20 Jahren bald wieder gentechnisch veränderter (GVO) Mais in Europa zum Anbau zugelassen wird. Wie erwartet gab es heute auch im EU-Berufungsausschuss keine Mehrheit für oder gegen ein Verbot. Der Gentechnikexperte der Grünen im Bundestag, Harald Ebner, geht davon aus, dass die Europäische Kommission die drei Maislinien nun bald durchwinken wird.

Die EU-Kommission hatte drei GVO-Maissorten zum Anbau in der EU vorgeschlagen: MON 810 (Wiederzulassung), Bt 11 und 1507 (Erstzulassung). Das Zulassungsverfahren für die Maislinie 1507 läuft bereits seit mehr als zehn Jahren. Weil so lange geprüft wurde, hatten die Hersteller DuPont Pioneer und Dow Agrosciences bereits erfolgreich Untätigkeitsklage beim Europäischen Gerichtshof erhoben. Deshalb steht die EU-Kommission jetzt unter Handlungsdruck. In einer Sitzung im Februar war allerdings darauf hingewiesen worden, Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker könne den Vorschlag, die drei Maissorten zuzulassen, jederzeit wieder zurückziehen. [+] mehr...

Mittelmeerfruchtfliege Insekten
Mittelmeerfruchtfliege (Foto: Scott Bauer / United States Department of Agriculture, public domain (Wiki Commons))

Göttinger Wissenschaftler arbeitet mit gentechnisch veränderten Fliegen

23.03.2017

Ein Biologe an der Universität Göttingen hat Experimente mit gentechnisch veränderten Fliegen durchgeführt - in einem Labor, das nicht die vorgeschriebenen Sicherheitsstandards erfüllte. Das teilten die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), das Gen-ethische Netzwerk (GeN) und Testbiotech mit. Sie wollen nun von der niedersächsischen Landesregierung wissen, wer die Versuche genehmigt hat, welche Insektenart verwendet wurde und ob die Versuche wirklich eingestellt wurden.

Aufmerksam auf den Fall wurden die drei Organisationen durch ein Interview in der Fachzeitschrift Laborjournal. Darin berichtete der Entwicklungsbiologe Ernst Wimmer über eine bisher noch nicht veröffentlichte Forschungsarbeit. Er hatte dafür Insekten mit Hilfe der Gentechnik-Schere CRISPR-Cas gentechnisch so verändert, dass sich ihre Eigenschaften besonders schnell innerhalb der Art ausbreiten können. Experten sprechen von einem sogenannten Gene Drive. Damit wurden die Insekten so manipuliert, dass bei der Fortpflanzung keine männlichen Nachkommen mehr entstehen und die Population dadurch zusammenbricht. Mit ihren Experimenten wollten die Forscher in Göttingen herausfinden, wie zuverlässig sich dieser Mechanismus vererben lässt. Dabei stellten sie fest, dass sich bei nachfolgenden Generationen jeweils an der Stelle im Erbgut, wo der Gene Drive eingebaut wurde, ungewollte Mutationen häuften. Dadurch wurde der Gene Drive immer unzuverlässiger, und nach einigen Generationen brachten die Tiere auch wieder fruchtbare Weibchen zu Welt. Die Fliegen wurden quasi resistent. [+] mehr...

Mon
Monsanto banner (Photo: Donna Cleveland/Flickr)

Monsanto und Glyphosat: Akten belegen Einfluss auf Umweltbehörde

22.03.2017

Ein maßgeblicher Mitarbeiter in der Pestizid-Abteilung der US-Umweltbehörde EPA stand fest auf der Seite von Monsanto. Das belegen interne Mails des Konzerns, die ein Gericht in Kalifornien für die Öffentlichkeit freigab. In dem Prozess in San Francisco wird über die Klagen von 55 Menschen verhandelt, die selbst an Lymphdrüsenkrebs erkrankten oder Angehörige durch diesen Krebs verloren haben. Sie führen die Erkrankung auf die Anwendung von Glyphosat zurück und werfen Monsanto vor, das Risiko verschwiegen zu haben.

Der in den Unterlagen genannte Mitarbeiter heißt Jess Rowland und arbeitete bis zu seinem Ruhestand im April 2016 in der für Pestizide zuständigen Abteilung der EPA. Dort leitete er einen Ausschuss, der die Frage bearbeitete, ob der von Monsanto entwickelte Wirkstoff Glyphosat Krebs auslösen kann. Letzten September veröffentlichte die EPA das Gutachten des Ausschusses und verneinte die Frage. Glyphosat sei nicht krebserregend, lautete das Fazit der Behörde. [+] mehr...