Deutschland

Waldbrand Absam (Foto: Michael Schober, http://bit.ly/2tlcc4N, https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)
Waldbrand Absam (Foto: Michael Schober, http://bit.ly/2tlcc4N, https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)

Dialog zum Genome Editing: „Wo sind die Toten?“

28.06.2017

Philosophie trifft Landwirtschaft: Von der Verantwortungsethik menschlichen Handelns bis zur Heuristik der Furcht reichte die Palette der Argumente beim zweiten Dialogforum des Bundeslandwirtschaftsministeriums, das diese Woche in Berlin stattfand. Kein Wunder, ging es doch um „Kriterien für einen verantwortlichen Umgang mit Genome Editing“.

Das Beispiel leuchtete ein: Wird ein Brand durch einen Blitz ausgelöst, trifft Menschen keine Schuld. Anderes gilt, wenn jemand den Brand gelegt hat. Broder Breckling, Biologe der Universität Vechta, übertrug diesen Gedanken der Verantwortungsethik auf die neuartigen Gentechniken wie CRISPR-Cas: „Dass eine Punktmutation natürlich vorkommt, bedeutet nicht, dass es keine menschlich bewirkte Punktmutation geben kann, die ein unakzeptables Schadensrisiko birgt“, erläuterte der Wissenschaftler. Breiteten sich gentechnisch veränderte Organismen (GVO) aus und kreuzten sich etwa in Ackerunkräuter ein, habe das nicht abschätzbare Folgewirkungen. Der Landschaftsökologe forderte daher, für die Arbeit mit GVO einen Sachkundenachweis und eine Dokumentation zu verlangen. „Ein Ja zur Forschung bedeutet nicht, methodisch Mögliches ohne Sicherheitsüberprüfung freisetzen zu können“, so Breckling. [+] mehr...

Bundestag
Foto: Deutscher Bundestag / Lichtblick / Achim Melde

Anhörung: Experten kritisieren Entwurf zum Gentechnikgesetz

16.01.2017

UPDATE: Der Gesetzentwurf der Bundesregierung, der es ermöglichen soll, den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) zu verbieten, wurde bei einer Anhörung im Agrarausschuss des Bundestages von den meisten Experten kritisiert: Die einen stellten in Frage, ob die geplante Änderung des Gentechnikgesetzes praktikabel und verfassungsgemäß ist. Andere bemängelten, dass die Agrarforschung dadurch den Anschluss ans Weltniveau verlieren könnte. Einige Experten hielten jedoch einen Gesetzentwurf des Bundesrates aus dem Jahr 2015 für geeignet, rechtssichere Anbauverbote für GVO in Deutschland zu erwirken.

Der ehemalige Referatsleiter des Bundesagrarministeriums, Wolfgang Koehler, hielt es für ausgeschlossen, dass sich – wie im Entwurf gefordert - sechs Ministerien auf ein Anbauverbot für einen GVO verständigen. „Das würde ein Beamtenleben dauern“, warnte der Einzelsachverständige. Ähnlich sah das die Gentechnikexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Heike Moldenhauer. Sie forderte außerdem, die Beteiligung der Bundesländer beim GVO-Verbot wie bei dessen Aufhebung ersatzlos zu streichen. Nur so könne ein Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen in Deutschland verhindert werden. Die Bundesregierung müsse beim GVO-Verbot einziger Akteur sein und damit auch das Klagerisiko tragen. [+] mehr...

Konzentration der weltgrößten Agrarchemie-Konzerne, Basis: Umsätze 2014 in Milliarden US-Dollar (Konzernatlas 2017/Bloomberg)
Konzentration der weltgrößten Agrarchemie-Konzerne, Basis: Umsätze 2014 in Milliarden US-Dollar (Konzernatlas 2017/Bloomberg)

Neuer Konzernatlas zeigt Konzentration der Gentechnik-Giganten

10.01.2017

Das Szenario ist bedrohlich: Drei oder vier Großkonzerne auf der Erde besitzen nicht nur den Großteil der Patente für Saatgut. Ihnen gehören auch die passenden Pestizide sowie die Lizenzen für die gentechnischen Verfahren, um solches Saatgut zu züchten. So könnten fusionierte Firmen Bayer/Monsanto, DuPont/Dow und ChemChina/Syngenta die Landwirtschaft, Lebensmittelerzeugung und letztlich die Welternährung kontrollieren, heißt es im neuen „Konzernatlas 2017“, den sechs Organisationen heute vorlegten.

Am Ende beherrschten drei Konzerne mehr als 60 Prozent der Märkte für kommerzielles Saatgut und für Agrarchemikalien, schreiben zwei Autorinnen des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Die Konzerne böten fast alle gentechnisch veränderten Pflanzen dieses Planeten an, warnen Heike Moldenhauer und Saskia Hirtz. Auch die meisten Anmeldungen für das Eigentum an Pflanzen beim Europäischen Patentamt entfielen auf diese drei Konglomerate. [+] mehr...

DNA Gene
Foto: Duncan Hull / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0-+-

Hendricks: Gene-Drive zu riskant

05.12.2016

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks spricht sich gegen die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) aus, die mit einem „Gene-Drive“ ausgestattet sind. „Gene-Drives“ sind Manipulationen am Erbgut, durch die sich eine bestimmte Eigenschaft besonders schnell in einer Population ausbreitet. „Eine Freisetzung von Organismen, bei denen ,Gene-Drive‘ verwendet wird, halte ich aus ökologischer Sicht zurzeit für nicht vertretbar,“ so die Ministerin in einem Brief an mehrere Verbände und Initiativen. Diese hatten die Ministerin im Blick auf die aktuelle 13. Biodiversitätskonferenz in Mexiko aufgefordert sich zu positionieren.

„Ich teile Ihre Bedenken, dass ,Gene-Drive‘ erhebliche Auswirkungen auf die Ökosysteme haben kann und dass daher insbesondere Vorsicht bei der Forschung und Risikobewertung walten sollte“, schrieb die Ministerin Ende November. Die Bundesregierung sei sich einig, dass solche Organismen, bei denen meist neuartige Techniken wie CRISPR-Cas9 zum Einsatz kommen, als GVO im Sinne des Gentechnikgesetzes eingestuft werden müssten. Das zuständige Bundesamt für Naturschutz würde im Falle einer Risikobewertung „dem Vorsorgeprinzip in hohem Maße Rechnung tragen“. Aktuell liege dazu in Europa allerdings kein Antrag vor. [+] mehr...

Protestaktion: Minister Schmidt gießt GVO-Mais. (Foto: privat)
Protestaktion: Minister Schmidt gießt GVO-Mais. (Foto: privat)

SPD-Fraktion fordert Änderungen am Gentechnikgesetz

02.12.2016

UPDATE +++ Die SPD-Fraktion im Bundestag will den Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Gentechnikgesetz in der aktuellen Form nicht mittragen. Die Regelungen seien „kompliziert, zeitaufwändig und störanfällig“, kritisierte die SPD-Abgeordnete Elvira Drobinski-Weiß heute bei der ersten Lesung des Entwurfs im Bundestag. Auch VertreterInnen von Linken und Grünen halten den Entwurf für ungeeignet, für das angestrebte bundesweite Anbauverbot von Gentech-Pflanzen (GVO) zu sorgen. Das Gesetz, das die große Koalition im Frühjahr 2017 verabschieden will, wurde zur weiteren Beratung an die Ausschüsse verwiesen.

Die SPD-Fraktion fordert, unter anderem folgende Punkte zu ändern: [+] mehr...