Bei dem NGT-Reis handelt es sich um eine Sorte mit geänderter Stärkezusammensetzung. Entwickelt hat den Reis die Suzhou Qi-Biodesign Biotechnology Company. Von ihr stammt auch ein jetzt zugelassener herbizidresistenter Weizen. Es ist der zweite NGT-Weizen dieser Firma, nachdem das chinesische Landwirtschaftsministerium MARA bereits im Mai 2024 eine gegen echten Mehltau resistente Sorte zugelassen hatte. Die neue NGT-Maissorte und eine der beiden neuen NGT-Sojasorten sollen höhere Erträge liefern. Die zweite neu zugelassene Sojasorte soll früher blühen. In der Liste des Ministeriums finden sich auch fünf neue Mais- und drei Sojalinien, die Insektengifte produzieren oder herbizidresistent sind – meist beides zugleich. In allen Fällen handelt es sich um Entwicklungen chinesischer Unternehmen. Bei vier bereits zugelassenen gv-Maislinien und einer gv-Baumwolle hob das MARA die bisherige Anbaubeschränkung auf einige Testregionen auf. Damit seien alle aufgeführten Pflanzen für den Anbau im ganzen Land zugelassen, schrieb das US-Landwirtschaftsministerium USDA in seiner Auswertung der Veröffentlichung, mit der das Ministerium zum Jahreswechsel die neuen Zulassungen bekannt gegeben hatte. Die Genehmigungen sind auf fünf Jahre bis Ende 2029 befristet.
Mit ihrem Vorgehen verfolgt die chinesische Regierung einen festen Plan, um die Abhängigkeit des Landes von Agrarimporten, insbesondere bei Mais und Soja zu verringern. Dabei sollen selbst entwickelte gentechnisch veränderte Pflanzen eine wichtige Rolle spielen. Der aktuelle Fünfjahresplan (2021 bis 2025) betont die Ernährungssicherheit. „Ein starkes Land braucht einen starken Agrarsektor“ zitiert das Asia Society Policy Institute (ASPI) aus den politischen Leitlinien für 2023 und macht deutlich, dass diese Politik für die chinesische Führung hohe Priorität hat. Dem entsprechend hat diese in den letzten Jahren einen klaren rechtlichen Rahmen für Anbauversuche und Zulassungen geschaffen und die Forschung angekurbelt. Das ASPI stellt auch die Übernahme des Schweizer Gentechnikkonzerns Syngenta durch ChemChina 2017 in diesem Rahmen.
Gleichzeitig weiß die Regierung um die weit verbreitete Skepsis gegenüber Gentech-Pflanzen in der Bevölkerung. Die Chinesen seien den Lebensmittelsicherheitsstandards gegenüber misstrauisch und hätten generell eine schlechte Meinung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln, schreibt ASPI: „Jüngste Umfragen zeigen, dass 55 Prozent der chinesischen Verbraucher den Verzehr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln ablehnen; fast 60 Prozent haben kein Vertrauen in Wissenschaftler, die sich mit diesem Thema beschäftigen“. Die Regierung geht deshalb bei ihrer Öffnung eher bedächtig vor. Im Dezember 2023 ließ sie erstmals 37 gv-Maislinien und 14 gv-Sojalinien für den Anbau in ausgewählten Regionen als Lebensmittel zu, alle mit Herbizidresistenz und/oder Insektengiften. Vorausgegangen waren drei Jahre Versuchsanbau. Begleitet wurden diese rechtlichen Schritte durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, die gv-Pflanzen als sicher und hilfreich darstellte. Trotz dieser Anstrengungen „könnte es noch Jahre dauern, bis der Anbau von gv-Pflanzen in China weit verbreitet ist“, lautet die Einschätzung von ASPI.
Ein Grund dafür ist, dass die chinesische Landwirtschaft in weiten Bereichen auf kleinen, traditionell wirtschaftenden Familienbetrieben beruht. Dies behindere die Produktivität und den technologischen und biotechnologischen Fortschritt, der zur Deckung des wachsenden Nahrungsmittelbedarfs erforderlich sei, heißt es in einer Analyse auf der Plattform Modern Diplomacy. Der notwendige Strukturwandel des Agrarsektors stecke noch in den Kinderschuhen und werde durch Widerstände, insbesondere in ländlichen Gebieten, behindert. Dieser ländlichen Entwicklung hat die chinesische Regierung in ihrem agrarpolitischen Programm für 2025 deshalb hohe Prioriät eingeräumt. Beschleunigen könnte die Entwicklung der sich anbahnende Handelskrieg mit den USA. China hat als Antwort auf erhöhte US-Zölle die Zölle für landwirtschaftliche Importe aus den USA erhöht – obwohl es von diesen noch stark abhängig ist. [lf]